Sinnes- und Kognitive Entwicklung

Grundverständnis der Sinnestätigkeit und Ausgangssituation des kleinen Kindes:
Die Sinne des Menschen sind die Tore zur Welt, durch sie nimmt er die Welt wahr, er erfährt von der Welt, er erfährt sich selbst im Verhältnis zur Welt. 

Die zwölf Sinne des Menschen gliedern sich wie folgt : 

Untere Sinne Lebens-, Bewegungs-, Gleichgewichts- und Tastsinn
Mittlere Sinne Geruchs-, Geschmacks-, Seh- und Wärmesinn
Obere Sinne Hör-, Wort-, Gedamken- und Ichsinn

Das Ungeborene hat noch keinerlei Bewusstsein von sich selbst, es erlebt sich als eins mit der Umgebung.
Das kleine Kind lernt durch seine vielfältigen Sinneserfahrungen allmählich die Welt und sich selbst kennen, es ist somit ganz Sinnesorgan und nimmt alle Eindrücke von außen ungefiltert auf. Alle Eindrücke wirken unmittelbar in die ganze Körperorganisation hinein, sie werden nicht durch Gedanken und Reflektion in ihrer Wirkung gebremst oder verändert. 

Das Kind ist den Eindrücken offen und vertrauensvoll hingegeben, aber auch schutzlos ausgeliefert. Auf die Eindrücke reagiert das Kind mit Bewegungen, zunächst reflektorisch, dann mehr und mehr willkürlich individuell. So lernt es die Welt verstehen: durch greifen und begreifen! Nur so erlernt es die drei urmenschlichen Fähigkeiten: den aufrechten Gang, das Sprechen und Denken. Durch die Verarbeitung der äußerlichen und innerlichen Eindrücke bildet sich das Kind seine noch sehr weichen und plastizierbaren Organe aus. In erster Linie entwickeln sich in diesen ersten sieben Jahren das Nerven- Sinnessystem, das Gehirn reift aus. Wenn das Kind diesen Organreifungsprozess abgeschlossen hat, erst dann wird schulisches Lernen möglich. Durch eine reiche Sinnespflege werden sich die kindlichen Organe besser ausdifferenzieren und so gesund wie möglich entwickeln. Eine Verarmung der Sinneserfahrungen bei Kindern bewirkt tendenziell, dass sich das Verhältnis zum eigenen Körper ändert, z.B. Nervosität, Konzentrationsstörungen, Bewegungsstörungen.

Wie und wo geschieht Sinnespflege bei uns im Kindergarten ?

  • durch die Raumgestaltung und Raumatmosphäre (Abstimmung der Farben und Materialien
  • durch den als Vorbild wahrgenommenen Erwachsenen
  • im Ausdruck der Gesten des Erwachsenen und seinem Sprachgebrauch
  • beim Reigen, Fingerspielen und Handgestenspielen
  • beim Umgang mit Spielmaterialien drinnen und draußen
  • bei Tätigkeiten und körperlichen Berührungen
  • beim Essen (gesunde und naturnah produzierte Nahrung), bei der Kleidung
  • durch Wiederholungen
  • beim feiern von Festen
  • Verzicht auf elektronischen Medien

Die Sinneseindrücke wirken auf die Entwicklung des Leibes. Das gilt besonders für die unteren Sinne. Sie sind am stärksten leib-gebunden. Deshalb ist hier die Qualität der Sinneseindrücke von großer Bedeutung.

 

 

Mehr Informationen zum pädagogischen Konzept:
Pädagogik
Vorbild und Nachahmung
Rhythmus und Wiederholung
Sinnes- und kognitive Entwicklung